Klubsterben 2020–2022: Wie die Pandemie-Wende den DACH-Bar-Markt umbaute
Eine Schätzung der LiveKomm beziffere den Rückgang an Klein-Klub-Spielstätten zwischen März 2020 und Sommer 2022 auf rund ein Viertel. Was bedeute das für die DACH-Klein-Bar-Welt, was sei wiedergekommen, was nicht?
Die Pandemie-Periode zwischen März 2020 und Sommer 2022 sei für die DACH-Klein-Klub-Welt ein Strukturbruch gewesen, dessen Folgen sich erst rückblickend einordnen ließen. Die LiveKomm habe in mehreren Erhebungen die Lage dokumentiert; nach den Zwischenständen, die ihrer eigenen Mitglieds-Statistik und einer breiteren Branchen-Umfrage des BDB entstammten, sei zwischen 20 und 25 % der vorpandemisch aktiven Klein-Klub-Spielstätten dauerhaft aus dem Markt ausgeschieden — sei es durch Insolvenz, Aufgabe, Vermietung des Raums an Folge-Nutzungen außerhalb der Klub-Welt, oder durch Übergang in nicht-musikbezogene Gastronomie-Formate. Die Daten seien nicht vollständig konsolidiert, aber die Größenordnung gelte in der Branchen-Verbands-Welt als belastbar. Was bedeute dieser Strukturbruch, drei Jahre danach, für die Klein-Klub-Welt zwischen Hamburg, Wien und Zürich?
Die Phasen der Pandemie-Wende
Die erste Phase, von März bis Mai 2020, sei der harte Lockdown gewesen. Alle Spielstätten hätten schließen müssen, mit wenigen Ausnahmen für Take-Away-Gastronomie. Die Bundes-Soforthilfe (KfW-Programme, Überbrückungshilfen I und II) habe einen Teil der Fixkosten abgefangen, ohne jedoch die Live-Veranstaltungsabsage und das fehlende Bar-Geschäft kompensieren zu können. Die Initiative Musik gGmbH habe in dieser Phase das Sonderprogramm Neustart Kultur des Bundes administriert, das ab Juli 2020 vom Bundestag mit zunächst 1 Milliarde Euro ausgestattet wurde.
Die zweite Phase, von Juni 2020 bis Oktober 2020, sei eine kurze Öffnungsphase gewesen, in der Klein-Klub-Spielstätten mit Hygienekonzepten arbeiten konnten — Abstandsregelung, Personenbegrenzung auf 50 bis 100 Personen, Kontaktnachverfolgung über Listen oder Luca-App, FFP2-Masken bei Bewegung im Raum, fixe Sitzplatzpflicht. Diese Bedingungen seien für eine Tanz-Spielstätte praktisch nicht arbeitsfähig gewesen, weil das Tanzen verboten war. Konzerte mit Sitzplatzpflicht hätten in begrenztem Umfang stattgefunden, oft mit deutlich reduzierter Kapazität und damit ohne Rentabilität.
Die dritte Phase, von November 2020 bis April 2021, sei der zweite Lockdown gewesen, mit der Schließung aller Tanz-Spielstätten und der erneuten Aussetzung des Live-Konzert-Geschäfts. Die Überbrückungshilfe III, die ab Januar 2021 mit erweiterten Konditionen verfügbar war (Fixkostenzuschuss bis 90 % der Fixkosten für Unternehmen mit Umsatzeinbrüchen über 70 %), habe den existenziellen Druck abgefedert, ohne die strukturelle Lage zu lösen.
Die vierte Phase, von Sommer 2021 bis Frühjahr 2022, sei eine Schwebephase mit wechselnden Öffnungs- und Schließungsregimes gewesen, die in den DACH-Ländern asymmetrisch verlief. Österreich habe im November 2021 einen vierten Lockdown verhängt, Deutschland habe im Dezember 2021 mit der 2G-plus-Regel die Klub-Öffnung de facto unterbunden, die Schweiz habe ab Februar 2022 die Maßnahmen weitgehend aufgehoben. Die Ungleichzeitigkeit der Lockerungen habe das Tour-Geschäft (Bands auf DACH-Tour) zusätzlich erschwert.
Die strukturellen Folgen
Die ökonomischen Folgen ließen sich in drei Linien beschreiben.
Erstens: Personal. Die Klein-Klub-Welt habe in der Pandemie einen erheblichen Teil ihres erfahrenen Personals verloren — Bar-Personal, Veranstaltungstechniker, Türsteher, Booker. Viele dieser Personen seien in andere Branchen abgewandert (Logistik, IT, Pflege, Gastronomie ohne Veranstaltungskomponente) und nicht zurückgekehrt. Die Klein-Klub-Welt habe seit 2022 mit einem Fachkräftemangel zu kämpfen, der die Wiedereröffnung und die Programm-Frequenz beschränke.
Zweitens: Immobilien. Die Klub-Räume seien in vielen Innenstädten unter erheblichen Mietsteigerungsdruck geraten. Vermietergesellschaften hätten die Pandemie als Anlass genommen, langfristige Klub-Mietverträge zu kündigen und die Räume zu höheren Sätzen an andere Nutzungs-Typen (Co-Working, Eventlocation, Boutique-Hotel, Wohnraum nach Umnutzung) zu vermieten. Die Verlust-Quote sei in Berlin-Friedrichshain, Wien-Neubau und Zürich-Industriequartier besonders sichtbar geworden, weil dort die Klub-Dichte vor der Pandemie hoch gewesen sei.
Drittens: Booking und Programm-Frequenz. Die DACH-Klein-Klub-Welt habe vor der Pandemie auf einer Logik der wöchentlichen Programm-Frequenz operiert — vier bis sechs Veranstaltungen pro Woche, oft mit niedrigen Eintrittspreisen und Quersubventionierung über das Bar-Geschäft. Diese Logik habe sich nach 2022 in zwei Richtungen verschoben: zum einen zu weniger, aber teureren Veranstaltungen (höhere Eintrittspreise, höhere Honorar-Anteile, höhere Marketing-Erwartungen), zum anderen zu mehr Risiko-Aversion bei Booking-Entscheidungen, was die Förderung junger Künstler-Generationen erschwere.
Gentrification und Verdrängung
Parallel zur Pandemie habe sich der Gentrifizierungsdruck in den DACH-Metropolen fortgesetzt. Berlin-Friedrichshain, das in der Vor-Pandemie-Zeit als Klub-Epizentrum galt, habe in den letzten Jahren mehrere prominente Spielstätten verloren — das Griessmuehle (geräumt 2020, in Neukölln teilweise rekonstituiert), die Wilde Renate (mehrfach in den Schlagzeilen mit Räumungs-Drohungen), das Suicide Circus (geschlossen 2018, vor der Pandemie). Diese Schließungen seien nicht primär pandemiebedingt gewesen, aber die Pandemie habe sie beschleunigt, indem sie die Verhandlungsposition der Klub-Betreiber gegenüber Vermietern geschwächt habe.
In Wien habe die Pratersauna eine ähnliche Geschichte erlebt: nach Pandemie-Pause sei sie 2022 wiedereröffnet worden, aber unter veränderten Bedingungen mit reduzierter Programm-Linie. Das Wiener Flex, am Donaukanal seit 1995, sei zwar weitergeführt worden, habe aber die Programm-Dichte und die internationale Booking-Linie zurückgefahren. In Zürich habe die Klub-Szene am Letten und im Industriequartier ebenfalls Verluste erlitten, wobei die kommunale Klub-Förderung der Stadt Zürich (seit 2018 mit der Initiative Nachtkultur) eine partielle Abfederung geboten habe.
Diese Verdrängungs-Dynamik sei mit kritischer Distanz zu betrachten. Die Klub-Räume seien nicht nur ökonomische Einheiten, sondern auch soziale Räume — Begegnungsorte für junge Menschen, Bühnen für ungesicherte Künstler-Existenzen, Versuchsfelder für Subkulturen, die in anderen Räumen nicht entstehen könnten. Wenn diese Räume verschwänden, verschwinde nicht nur eine Gastronomie-Form, sondern eine kulturelle Funktion. Die Berliner Clubcommission habe dies seit Jahren in ihren Stellungnahmen formuliert, der Wiener Verein Vienna Club Commission seit 2019 in ähnlicher Weise.
Was wiedergekommen ist
Trotz dieser Verluste habe sich die DACH-Klein-Klub-Welt nach 2022 in Teilen erholt. Die LiveKomm habe in ihrer Mitglieds-Erhebung 2024 eine Stabilisierung auf einem niedrigeren Niveau festgestellt: rund 540 Mitgliedsspielstätten, was zwar unter dem Vor-Pandemie-Wert liege, aber den Markt-Boden zu markieren scheine. Neue Spielstätten seien entstanden — meist mit hybrider Konzeption (Konzerte, Bar, gelegentlich Kino-Vorführungen oder Lesungen, manchmal Tagesgastronomie), die das Risiko über mehrere Einnahmequellen streuen sollten.
Das APPLAUS-Programm der Initiative Musik habe seine Vergabesummen ab 2022 stabilisiert und im Jahr 2024 erstmals wieder das Vor-Pandemie-Niveau erreicht. Der GEMA-Tarif M-V sei in der Tarifrunde 2022/2023 in Teilen abgesenkt worden, was die Klein-Klub-Margen entlastet habe. Die Sperrzeit-Reglements seien in Berlin, Hamburg und Köln weiter klub-freundlich, während in Bayern und Baden-Württemberg keine substanziellen Lockerungen erfolgt seien.
Das Bar-Geschäft, das in der Klein-Klub-Welt typischerweise zwischen 40 und 60 % des Umsatzes ausmacht, habe sich in der Post-Pandemie-Zeit verändert. Der Cocktail-Anteil sei gestiegen, der reine Bier-Ausschank in Klein-Klub-Spielstätten habe sich zugunsten von Mischgetränken und Wein-Aperitifs verschoben. Die LiveKomm und der DEHOGA hätten in mehreren Stellungnahmen darauf hingewiesen, dass das jüngere Publikum (unter 30 Jahre) weniger Bier und Spirituosen konsumiere als die Vorgänger-Generation und mehr alkoholfreie oder Low-ABV-Getränke nachfrage.
Was nicht wiedergekommen ist
Nicht wiedergekommen seien drei Elemente, deren Verlust strukturell wirke.
Erstens: die niedrige Eintrittsschwelle. Vor der Pandemie hätten viele Klein-Klub-Spielstätten Konzerte mit Eintritt unter 10 Euro programmiert, oft mit freiem Eintritt für die ersten Slots der Abend-Reihe. Diese Niedrigschwelligkeit sei in der Post-Pandemie-Zeit weitgehend verschwunden. Honorar-Forderungen der Künstler-Agenturen, gestiegene Fixkosten, höhere GEMA-Sätze für Klein-Veranstaltungen hätten das niedrige Preissegment in vielen Spielstätten unrentabel gemacht.
Zweitens: die Spontan-Bookings. Viele Klein-Klub-Spielstätten hätten vor der Pandemie kurzfristige Bookings (eine bis zwei Wochen Vorlauf) realisiert, oft mit lokalen Bands oder DJ-Solidaritäts-Sets. Diese Spontan-Kultur sei in der Post-Pandemie-Zeit zurückgegangen, weil Vorverkauf und Marketing-Vorlauf länger geworden seien, um wirtschaftliche Mindestauslastungen zu erreichen.
Drittens: ein bestimmter Typus der Nicht-Karriere-Künstler-Szene. Viele Folk-, Singer-Songwriter- und Jazz-Spieler, die vor der Pandemie regelmäßig in Klein-Spielstätten auftraten, hätten ihre Live-Aktivität nach 2022 reduziert oder aufgegeben, weil das Honorar-Niveau und die Auftrittsfrequenz für sie keine ausreichende Lebensbasis mehr darstellten. Die Initiative Musik habe das in ihrem Jahresbericht 2024 als Generations-Lücke beschrieben, die mittelfristig die Programm-Vielfalt der Klein-Klub-Welt beschränken könne.
Wie weiter
Die DACH-Klein-Klub-Welt habe die Pandemie überlebt, aber nicht unverändert. Sie sei kleiner geworden, sie sei teurer geworden, sie sei wirtschaftlich rationalisierter geworden. Der Boden, den die LiveKomm-Erhebungen 2024 markierten, könne stabil bleiben oder weiter erodieren — je nachdem, wie sich die Mietkosten in den Innenstädten entwickelten, wie die GEMA-Tarif-Verhandlungen weiterliefen, wie die Bauordnungs-Politik der Länder mit der MVStättVO umgehe.
Was bleibe, sei der Befund, dass die Pandemie kein punktuelles Ereignis gewesen sei, sondern ein Auslöser für strukturelle Verschiebungen, die ohne sie langsamer verlaufen wären.
Die Bar-Markt-Welt jenseits der Klub-Spielstätten
Neben der Klein-Klub-Welt habe sich auch die breitere DACH-Bar-Markt-Welt verändert. Der DEHOGA-Branchenbericht 2024 weise für die deutsche Gastronomie insgesamt eine Erholung auf rund 92 % des Vor-Pandemie-Umsatzniveaus aus, mit erheblichen Verschiebungen innerhalb der Segmente. Die klassische Eckkneipe, die in deutschen Klein- und Mittelstädten lange das Bar-Geschäft trug, sei besonders betroffen gewesen — viele Eckkneipen hätten in der Pandemie geschlossen und seien nicht wiedereröffnet worden. Die Nachfolge-Nutzungen seien meist nicht-gastronomisch (Wohnraum, Co-Working, Boutique-Geschäfte), sodass die Bar-Dichte in vielen Klein-Stadt-Lagen langfristig zurückgegangen sei.
Die gehobene Cocktail-Bar-Welt habe sich anders entwickelt. In Berlin, Hamburg, München, Wien und Zürich seien zwischen 2022 und 2025 zahlreiche neue Cocktail-Bars eröffnet worden, oft als Speakeasy-Konzepte, als Hybrid-Bars (mit Tagesgastronomie) oder als Restaurant-Bars (mit fest etabliertem Speisenangebot). Diese Bar-Welt habe einen substanziellen Bedarf an Bartender-Fachkräften erzeugt, der die Branche zur Aus- und Weiterbildung gezwungen habe. Die Deutsche Barkeeper-Union habe in ihrem Tätigkeitsbericht 2024 einen deutlichen Anstieg der Anmeldungen zu Barkeeper-Schulungen verzeichnet.
Die Klein-Musik-Kneipen-Welt habe sich zwischen diesen beiden Polen positioniert. Sie sei kein klassischer Bar-Markt-Akteur (mit reinem Trink-Geschäft), aber auch kein reiner Klub-Akteur (mit primär Tanz-Geschäft). Diese Zwischen-Position habe Vor- und Nachteile: Vorteil sei die Diversifizierung der Einnahmequellen über Konzert-Eintritt, Bar-Geschäft und gelegentliche Tages-Gastronomie; Nachteil sei der hohe Personalbedarf und die schwierige Profilierung gegenüber spezialisierten Anbietern.
Klein-Stadt-Klub-Welt: oft übersehen
Die Aufmerksamkeit der Verbands-Welt und der Förder-Politik richte sich häufig auf die Metropol-Klub-Welt, während die Klein-Stadt-Klub-Welt — in Pforzheim, Cottbus, Halle, Heilbronn, Klagenfurt, Schaffhausen — strukturell weniger sichtbar sei. Diese Spielstätten hätten in der Pandemie besonders gelitten, weil sie weder die kulturelle Marken-Macht der Metropol-Klubs noch die Förder-Anbindung der APPLAUS-prämierten Spielstätten besaßen. Viele Klein-Stadt-Klubs hätten überdurchschnittliche Verlust-Quoten erlebt.
In der Post-Pandemie-Zeit habe sich diese Asymmetrie nicht vollständig korrigiert. Die LiveKomm habe seit 2023 ein Regional-Programm aufgelegt, das die Klein-Stadt-Spielstätten gezielt einbeziehen solle; die Initiative Musik habe APPLAUS-Vergaben mit regionaler Quotierung versehen. Aber die strukturelle Lage bleibe schwierig — die Klein-Stadt-Klub-Welt sei oft auf wenige engagierte Einzelpersonen angewiesen, deren Verfügbarkeit nicht über mehrere Generationen gesichert sei.
Generations-Wechsel und Nachfolge-Frage
Eine Frage, die in der Verbands-Welt zunehmend diskutiert werde, sei die Nachfolge-Frage. Viele Klein-Klub-Betreiber, die in den 1990er- und 2000er-Jahren ihre Spielstätten gegründet hätten, erreichten in den nächsten zehn Jahren das Rentenalter. Die Übergabe an eine Nachfolge-Generation sei wirtschaftlich anspruchsvoll, weil Klein-Klub-Spielstätten meist keine substanziellen materiellen Werte hätten (das Inventar sei abgeschrieben, die Räume seien gemietet, der Markenwert liege im Programm). Die Nachfolge sei damit eine Frage der Übergabe von Booking-Beziehungen, von Publikums-Vertrauen und von operativer Kompetenz.
Die DEHOGA und die LiveKomm hätten 2024 Pilotprojekte zur Nachfolge-Beratung aufgelegt; die Initiative Musik prüfe Förderlinien für Klub-Übernahmen durch jüngere Kollektive. Diese Programme stünden am Anfang, ihre Wirkung sei noch nicht messbar. Aber die Frage selbst sei für die nächsten zehn Jahre eine der zentralen Markt-Variablen.
Die digitale Komponente und das Publikum
Die digitale Komponente, die in der Pandemie als Notlösung etabliert wurde (Livestreaming, virtuelle Klub-Erfahrungen, NFT-Tickets), habe sich nach 2022 weitgehend zurückgebildet. Livestreams seien in einigen Spielstätten als Ergänzung zum physischen Konzert etabliert, aber als eigenständige Einnahmequelle nicht tragfähig. Die Erfahrung der Pandemie habe gezeigt, dass die digitale Substitution des physischen Klub-Erlebnisses nur in engen Grenzen funktioniere — Tanzen, Geselligkeit, die unmittelbare Akustik einer Live-PA in einem geschlossenen Raum, das gemeinsame Erlebnis mit Fremden — diese Qualitäten ließen sich nicht digitalisieren.
Was sich verändert habe, sei das Publikum selbst. Die Generation, die in den 2020er-Jahren in das Klub-Alter gekommen sei, habe andere Erwartungen als die vorhergehende Generation. Awareness-Standards, klare Anti-Diskriminierungs-Linien, alkoholfreie Optionen, kürzere Veranstaltungs-Zeiten (Konzerte mit Beginn 20:00 und Ende um Mitternacht statt der klassischen 22:00-bis-4:00-Linie), unverbindlichere Bookings — diese Erwartungen forderten von der Klein-Klub-Welt eine Anpassungsleistung, die nicht von allen Spielstätten geleistet werde.
Wie die nächsten Jahre sich abzeichnen
Die Klein-Klub-Welt habe sich in der DACH-Region als kulturell wertvoll und ökonomisch fragil erwiesen — und beide Eigenschaften gehörten zueinander. Die Frage, ob die kulturelle Wertschätzung in dauerhafte ökonomische Stabilisierung übersetzt werden könne, sei drei Jahre nach dem Auslaufen der Pandemie-Hilfen offen. Sie werde in den nächsten Tarifrunden, in den nächsten Länder-Verordnungen und in den nächsten Förderprogramm-Entscheidungen verhandelt werden.
Eine Prognose lasse sich vorsichtig formulieren: Die Klein-Klub-Welt werde sich auf einem niedrigeren Niveau stabilisieren, mit einer stärkeren Verband- und Förder-Anbindung der überlebenden Spielstätten und einer fortgesetzten Erosion der ungeförderten Klein-Stadt-Klub-Welt. Die Vielfalt der Klub-Welt werde damit nicht zwingend abnehmen, sondern sich verlagern — von der organischen Vielfalt der Stadt- und Klein-Stadt-Klub-Welt zur kuratierten Vielfalt der geförderten Spielstätten. Diese Verlagerung sei kein neutraler Vorgang, sondern eine kulturpolitische Weichenstellung — und sie verdiene kritische Aufmerksamkeit, gerade weil sie sich nicht in einem politischen Moment vollziehe, sondern in der Summe vieler kleiner ökonomischer Entscheidungen.